Mit ca. 15000 Trainingskilometer stehe ich am 24.06.2010 am Start des Race Across the Alps. Einem Nonstop-Radrennen, wo man 12 Alpenpässe, 15000 Höhenmeter und 540 Kilometer bewältigen muss.

Betreut werde ich von Johannes Rath – „Jointher“, Harry-Rudi Reinbacher – „Schwarzer Ritter“, Helmut Stindl – „Niki Lauda mit zwei Ohren“.

Punkt 12:00 Uhr erfolgt der Start und 39 Wahnsinnige versuchen diese Herausforderung zu bewältigen. Mit dabei ist unter anderem ein Maurizio Vandelli ( 3 Facher Giro-Italien Teilnehmer, Sieger einer Giro-Etappe, 2 Facher Gewinner der Österreich-Rundfahrt), aber auch zwei Freunde von mir sind dabei; Harrald Zima und Gerhard Samastur.

Schon nach 3km wird das Rennen so schnell, dass sich das Feld aufteilt. Vorne fahren 4 Fahrer auf und davon. Ich bin in der ersten Verfolgergruppe.

Nach ca. 38km beginnt der Spaß erst richtig, es geht auf das Stilfserjoch auf 2757 Höhenmeter rauf.

Weiter 2 Fahrer können sich nach vorne absetzen und ich kämpfe zwischen dem 7. und dem 14. Platz herum.

Nach 2 Stunden 45 Minuten bin ich als 7er am Berg, aber während ich eine Jacke anziehe falle ich bereits auf den 12. Rang zurück. Alles liegt hier noch ganz knapp beisammen. Noch in der Abfahrt kann ich wieder auf 3 Fahrer aufschließen.

Am Anstieg zum Gaviapass holen wir auch meinen Freund Harry Zima ein und ein wenig später den Slowenen Rihtaric. Auch von hinten kann ein weiterer Fahrer auf uns aufschließen. Kurz vor dem Pass passiert es. Rechts und links bekomme ich plötzlich Krämpfe. Ich muss sofort aus den Pedalen. Keine Ahnung was los ist, so etwas habe ich noch nie erlebt. Harry-Rudi massiert mir locker die Oberschenkel und nach wenigen Minuten kann ich unter Schmerzen weiterfahren. Das Tempo kann ich jetzt nicht mehr mitgehen uns so falle ich auf den 11. Rang zurück.

Noch im Anstieg, während der Fahrt ziehe ich Ärmlinge und eine Windweste an, dadurch kann ich bei zwei Fahrern am Pass vorbeifahren. Auch sehe ich Harry Zima wie er durch die erste Kurve bergab fährt. Ich kämpfe mich an ihn heran und gemeinsam fahren wir ab. Zusammen fahren wir über den Aprica-Pass. Auf der Abfahrt schliessen Tod und Rihtaric auf uns auf. Zu viert geht es Richtung Mortirolo.

Kurz vor dem Berg werden wir durch einen Platzregen überrascht. Tod und Rihtaric ziehen Regenjacken an, während Zima und ich weiterfahren. Am Beginn des Berges bleibe ich für eine Pinkelpause stehen, während Zima bereits mit dem Anstieg beginnt. Durch diese kurze Pause beginne ich den sehr steilen Anstieg gemeinsam mit Tod und Rihtaric. Langsam kann ich mich von beiden nach vorne absetzen und vor mir taucht ein weiterer Teilnehmer auf. Bei der Hälfte des Berges bin ich schon an seinem Hinterrad, aber wieder bekomme ich in den Oberschenkel Krämpfe, zu Glück nicht so arg wie am Gavia. Also nehme ich wieder Tempo raus und ich verliere wieder sein Hinterrad. Auch Tod fährt nun locker an mir vorbei.

Um 20:55 Uhr bin ich am Mortirolo oben. Hier ziehe ich ein trockenes Trikot und für die Abfahrt eine Thermojacke an. Leider habe ich bei rechts Kurven nun arge Schmerzen. Immer wenn ich das Rechte Bein für eine Kurve nach oben ziehe fährt ein Krampf ein. Mir drückt es vor Schmerz ein paar Tränen raus.

Über den Aprica versuche ich mit so wenig Druck wie möglich zu fahren. Dabei werde ich überholt von Gradnjean und etwas später von Grüner, welchen ich jedoch am Pass wieder überholen kann. Nun beginnt der sechste Pass, der Bernina, 33km Anstieg auf 2330 Höhenmeter. Meine Betreuer feuern mich an, denn einige km ober mir sieht man die Scheinwerfer von einem Fahrer vor mir. Leider kann ich bis zum Gipfel nicht auf diesen Aufschließen. Bei ca. 5°C geht es um 1:55 Uhr in die Abfahrt.

Kurz vor dem Albulapass kann ich den Fahrer vor mir einholen. Gemeinsam beginnen wir den Anstieg und ich kann mich langsam von ihm absetzen. Nun liege ich wieder in den Top 10. Am Albulapass ist es noch kälter und die Abfahrt ist eine Rumpelpiste. Zweimal kann ich nur durch eine Notbremse eine Kurve meistern, da mir die Augen zufallen. Auf der Abfahrt habe ich auch ein Date mit einem Reh. Ich muss stehenbleiben, da das Reh mitten auf der Straße steht und ich nicht links oder rechts vorbeikomme. Wir schauen uns in die Augen und anscheinend bin ich nicht ihr Typ, denn nun läuft sie weiter und ich kann wieder weiter abfahren. Wählerisch sind dieses Frauen heutzutage, oder habe ich ihr zu viel gestunken, denn nun sitze ich schon 27 Stunden am Rennrad.

Nach der Abfahrt „sollte“ es nach rechts Richtung Davos gehen. Leider fahre ich an der Abzweigung vorbei und erst später geht es eine Straße nach Davos rauf. Mir kommt das etwas verdächtig vor, da ich ja bereits 2x am RATA teilgenommen habe und diesen Anstieg habe ich nicht in Erinnerung. Auch meine Betreuer müssen für eine Pinkelpause (so sagen sie zu mir) den ganzen Anstieg vorfahren und suchen nun einen Weg auf die Strecke zurück. Oben angelangt frage ich meine Betreuer ob wir noch auf der Originalstrecke sind ober ob wir uns original verfahren haben.

Nach einer Abfahrt sind wir wieder auf der Strecke. Durch den Umweg bin ich ca. 11km und einige Höhenmeter mehr gefahren.

Nach Davos geht es durch ein Tal ständig bergauf. Auch die Morgensonne kommt hier nicht durch. Auf den Bergen sieht man sie schon leuchten und hier unten frier ich mir den Arsch ab. Auch die Augen kann ich kaum offen halten und ich fahre immer wieder Schlangenlinien. Endlich bin ich in Davos und nun beginnt der Flüelapass.

Nun sind auch wieder 3 Fahrer von hinter auf mich aufgefahren. Kinberger geht als ersters vorbei und nur wenige Sekunden später auch Stähli. Nun versuchen meine Betreuer wieder etwas Dampf zumachen. Sie zeigen mir Fotos vom „Puma“ und mixen mir einen spezial Trink. (vorher bekam ich Wasser mit Saft und nun Saft mit Wasser) Es zeigt Wirkung und erst am Gipfel kann auch Grüner an mir vorbeifahren.

Doch schon in der Abfahrt schließe ich wieder zu ihm auf. Gemeinsam fahren wir nun zum Ofenpass. Kurz vor dem Anstieg mache ich wieder eine Pinkelpause während Grüner wieder vorbeifährt.

Ich beginne vorsichtig mit dem Anstieg und merke wie ich langsam näher komme.

Nun kann ich an Grüner und Kinberger wieder vorbei gehen. Etwas später hole ich auch Stähli ein und ich bekomme die Information, dass ich auf dem 10. Platz liege.

Oben am Ofenpass ziehe ich nur eine Windweste an und beginne mit der Abfahrt. Schon nach kurzer Zeit fahre ich auf eine Autokolone von 5 Autos auf. Ich versuche das letze Auto (ein Deutscher) links zu überholen, sofort fährt der Deutsche nach links, so dass ich nicht vorbeikomme. Auch herrscht hier starker Gegenverkehr.

Ich reihe mich wieder hinten ein und in einer rechts Kurve sehe ich, dass auch der Rinnsal mitasphaltiert ist. Sofort fahre ich in diesen Rinnsal und versuche den Deutschen in der Innenkurve zu überholen. Er fährt aber mit seinem Auto auch in den Rinnsal und ich muss eine Notbremsung machen, damit er mich nicht in die Wiese rausschiebt.

Nun ist ein anderer Rennradfahrer von hinten herangefahren (kein Rennteilnehmer).

Auch er versucht das Auto zu überholen, aber der Deutsche fährt so weit in die Gegenfahrbahn so dass auch er nicht überholen kann. Aber er versucht es gleich nochmal bei Gegenverkehr. Der Deutsche reißt nun sein Auto von links nach rechts und wieder nach links, so dass er fast ins schleudern kommt und der Radfahrer nur durch Glück vorbeikommt.

Ich will nichts riskieren und fahre nun die gesamte Abfahrt hinter diesem Idioten her.

Links vorne bemerke ich, dass mein Bremsbelag schon voll abgefahren ist. Also rechts ranfahren und Harry-Rudi wechselt den Bremsbelag. Stähli fährt an mir vorbei, und ich jage hinter ihm her. Am Anstieg Umbrailpass bleibt er kurz stehen und ich attackiere voll. Nun gibt es nur noch eins, Vollgas bis aufs Stilfserjoch. Viele Radfahrer fahren hier rauf und ich merke, dass ich mit vielen mithalten kann und das obwohl ich schon 22 Stunden am Rad sitze.

Runter vom Stilfserjoch ist ein reiner Horror, Radfahrer, Autos, Busse und Motorräder verstopfen die Straße. Hier ist eine Völkerwanderung im Gange.

Nun geht es nur mehr 38km nach Nauders. Leider liegt dazwischen noch der Reschenpass. Nicht nur dass es hier noch ein letztes mal Bergauf geht, nein auch noch mit einem starken Gegenwind habe ich zu kämpfen.

Nach 26 Stunden 43 Minuten erreiche ich glücklich und erschöpft das Ziel.

Beim Interview (zwar nicht Eurosport) bekomme ich ein Bier vom Veranstalter gereicht.

Danke an meine „lieben Betreuer“ für Eure tolle Betreuung und spitzenmäßige Unterstützung.

 

TurboTom

 

1. Maurizio Vandelli, I 22:04

2. Paul Lindner, Ö 23:16

3. Pierre Bischoff, D 23:30

4. Francois Gradnjean, CH 24:10

5. Manfred Tod, Ö 24:18

6. Harald Zima, Ö 24:45 (super Herr Z.)

7. Bernhard Kause, D 24:50

8. David Rihtaric, Slo 26:20

9. Thomas Ramsauer, Ö 26:31

10. Thomas Stindl, Ö 26:43

 

Von den 39 Teilnehmern konnten 26 Rennfahrer finischen.